Robert Enke

Bestürzung in ganz Europa löste der Suizid von Profitorwart Robert Enke am 10. November 2009 aus. Schwerwiegene Depressionen führten zu diesem letzten und verzweifelten Schritt, seinem Leben an einem Bahnübergang in der Nähe seines Heimatortes Empede ein Ende zu bereiten. Er hinterließ seine Ehefrau Teresa und eine 8 Monate alte Adoptivtochter.

Geboren wurde er am 24. August 1977 in Jena. Fußball bestimmte schon damals sein Leben. Selbst einschneidende Erlebnisse, wie die deutsche Wiedervereinigung, verliefen für den charakteristischen Torwart nur am Rande. Seine Profikarriere war ein Auf und Ab, bis er im Sommer 2004 seine Stabilität beim Bundesligisten Hannover 96 fand. Freunde, Fans und Kollegen schätzten alle gleichsam seine ruhige, freundliche und bescheidene Charakterstärke.

Dennoch litt der sympathische Fußballer seit 2003 an Burnout und Depressionen. Zwischenzeitlich befand er sich wegen seines Burnouts in psychiatrischer Behandlung. Die Krankheit wurde gefördert durch den großen Schicksalsschlag, welchen Enke und seine Frau 2006 erlitten. Kurz nach ihrem zweiten Geburtstag, verstarb ihre leibliche Tochter Lara aufgrund eines angeborenen Herzleidens. Obwohl der Torwart stets den Eindruck vermittelte, das Leben zu schätzen, gar zu lieben, übermannte ihn am 10. November 2009 die Düsterkeit der tückischen Krankheit Depression und verleitete den Ausnahme-Sportler zum Schienensuizid.

Die europaweite Bestürzung, Erschütterung und Anteilnahme war beispiellos und die Krankheit Depression rückte in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Depressionen äußern sich durch eine beständige Niedergeschlagenheit, den Verlust der Fähigkeit zur Freude und den Zustand, sich in einer Art permanenter Trauer zu befinden. Der Zeitraum dieser depressiven Erkrankung kann von mehreren Wochen bis zu Jahren gehen. Häufig vertuschen die Erkrankten ihre Depression, indem sie außergewöhnlich aktiv, aufgedreht und gut gelaunt ihrer Umwelt erscheinen.

Der erste Schritt zur Heilung besteht darin, dass der Betroffene sich selber eingesteht, ein psychisches Problem zu haben. Dann kann eine Depression medikamentös oder durch Therapien beim Psychiater oder durch eine Kombination beider Elemente bekämpft werden. Depressionen sind allerdings immer eine langwierige Sache. Eine besondere Form der Depression ist das Burnout-Syndrom. Dieses ist das Endstadium eines schleichenden Prozesses und zeigt sich durch eine dauerhaft emotionale und geistige Erschöpfung. Weitere Symptome sind leichte Reizbarkeit, Schlafstörungen, chronische Müdigkeit, Ängste, Sinnkrisen und körperliche Beschwerden. Die Ursachen liegen meistens in der Tatsache begründet, dass dauerhaft und über einen langen Zeitraum hinweg, sich ein massives Missverhältnis zwischen den eigenen Leistungsanforderungen, den Anforderungen im Leben und Beruf sowie dem eigenen Energiehaushalt und den erlernten Bewältigungsstrategien aufbaut und dieses fortbesteht oder sich weiter verstärkt.

Das Resultat aus diesem Missverhältnis ist eine permanente Überproduktion von Stresshormonen. Dadurch entstehen Mängel im Hormon- und Nervenhaushalt. Alle Heilungs- und Therapieverfahren zielen dabei auf kurz- und langfristige Stressreduzierung ab. Diese Stressreduzierung ist unumgänglich, um einer verzweifelten Kurzschlusshandlung zu engehen, wie dies bei Robert Enke der Fall war.

Neben dem Ausnahmetorwart bekannten sich noch weitere Sportler, wie die Fußballer Sebastian Deisler und Markus Miller, aber auch Fußballtrainer Ralf Rangnick sowie Skisprungsportler Sven Hannawald zu ihren Erkrankungen am Burnout-Syndrom. Insbesondere der Gang an die Öffentlichkeit durch Sven Hannawald im Jahr 2004 zog das Interesse erstmals massiv auf diese psychische Erkrankung, die bis dahin nur als sog. Managerkrankheit wenig bekannt war.

Nach dem Freitod Enkes, gelobten Medien und Fußballbund Besserung im Hinblick auf die Menschlichkeit. Beide Einrichtungen hatten gewisse Mitschuld am endgültigen Handeln des Profisportlers eingeräumt. Die Medienwelt räumte eine zu harte Berichterstattung ein und versprach nun, auf sensiblere Berichterstattungen durch die Presse zu achten. Der deutsche Fußballbund gestand, dass die Menschlichkeit im professionellen Fußballgeschäft oftmals weitläufig auf der Strecke bliebe.

Laut diversen Aussagen von Profisportlern und Experten, seien bisher in diesen Bereichen aber keine deutlichen Veränderungen zu verspüren. Ebenso verschwanden die Berichterstattungen, deren Fokus auf den psychischen Erkrankungen lag, schnell wieder von der Bildfläche. Eine Aufklärungsarbeit fand nur solange statt, wie das Thema durch den Freitod Enkes aktuell und angesagt war.

Anfang 2010 wurde in Zusammenarbeit des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), des Ligaverbandes (Die Liga – Fußballverband e.V.) und des Bundesligisten Hannover 96, die gemeinnützige Robert-Enke-Stiftung ins Leben gerufen; sie verfügte über ein Anfangsvermögen von 150.000 Euro. Ziel der Enke Stiftung ist die Unterstützung und Förderung von Maßnahmen und Einrichtungen, welche die Aufklärung über Depressionen oder Kinder-Herz-Krankheiten verbreiten oder sich der Behandlung bzw. Erforschung einer dieser Krankheiten verschrieben haben.

Die Unterstützungsaufgaben im Bereich der Kinder-Herzerkrankungen wurden auf Wunsch der Vorstandsvorsitzenden und Enke-Witwe, Teresa Enke, mit in das Aufgabengebiet der Enke Stiftung übernommen. Bisweilen besteht eine Unterstützung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) im Bereich der Kinder-Herzkrankheiten; in diesem Zusammenhang überreichte Teresa Enke einen Scheck über 6.000 Euro. Auf diese Weise übernimmt die Stiftung für die Dauer eines Jahres die Vergütung eines Psychologen, der die Eltern herzerkrankter Kinder betreut. Die Hauptfokussierung liegt jedoch eindeutig im Bereich der Depressionen. Insbesondere durch eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit.

Obwohl die Versorgung psychisch erkrankter Menschen sich in den letzten Jahren deutlich verbessert hat, scheint es aber immer noch ein Tabuthema zu sein, vor allem im Hinblick auf den Profisport. So hat die Stiftung beschlossen, insbesondere im Bereich des Profisports tätig zu werden, indem das Spezialthema der Depressionen im Leistungssport besonders gefördert wird. In Zusammenarbeit mit der DGPPN, der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, sowie der Universität Aachen, finanziert die Stiftung die Neugründung eines Referates Sportpsychiatrie. Der Hintergrund besteht darin, dass psychische Erkrankungen besonders häufig bei Spitzensportlern auftreten. Das Referat soll Denkanstöße geben, Diskussionen führen und Lösungswege erarbeiten.

Fast ein Jahr nach dem 10. November 2009, erschien im Spetember 2010 das ergreifende und erschütternde Buch „Robert Enke – Ein allzu kurzes Leben“. Das Buch bietet bewegende Einblicke in die meistens unterschätzte Krankheit der Depressionen. Der Autor und Sportjournalist Ronald Eng, ein naher Freund Enkes, schildert einfühlsam und nachvollziehbar den Kampf des Torwarts gegen die heimtückische Krankheit; einen Kampf, den er letztendlich verlor.

Der Fall Enke ist allerdings letztlich nur ein prominenter von vielen, dessen Leben durch die Erkrankung an Depression ein zu frühes Ende fand. Aufgrund von Depressionen begehen etwa 10% der Erkrankten Suizid, um den stets vorhandenen, trüben und dunklen Gedanken zu entfliehen. Ein Patentrezept zur Bekämpfung oder gar Vermeidung von Depressionen gibt es allerdings nicht. Die Betroffenen müssen sich letztendlich selber eingestehen, dass sie erkrankt sind und professionelle Hilfe suchen. Für Außenstehende ist es selten offensichtlich, wenn jemand unter dieser Krankheit leidet. Dennoch sollte jeder mit offenen Augen, Interesse an seinen Mitmenschen und einem mitfühlenden Herzen durchs Leben schreiten und somit vielleicht frühzeitig Anzeichen für Depressionen erkennen und dem Betroffenen unter Umständen zur Seite stehen, wenn dieser es wünscht. Auf diese Weise kann auch einem frühzeitigen Burnout entgegengesteuert werden.

[Gelsenkirchen] Die Fußball-Bundesliga bietet diese Saison reichlich Gesprächsstoff. Neben erstaunlichen Transfers und sportlichen Überraschungen sorgt wieder einmal vor allem Fluktuation auf dem Trainerstuhl für Aufsehen. Neben Michael Oenning ist binnen kürzester Zeit mit Ralf Rangnick nun ein zweiter Trainer von seinen Aufgaben entbunden worden. Während beim Trainer des Hamburger Sportvereins die Erfolglosigkeit eine Trennung notwendig wurde, entschied sich Ralf Rangnick selber für die Aufgabe des Trainerpostens auf Schalke. Den Äußerungen der Verantwortlichen zufolge ist die Trennung eine Konsequenz aus gesundheitlichen Beschwerden des Trainers, welcher erst zum Ende der Vorsaison Felix Magath beim Traditionsverein beerbt hatte.

Direkt gewann er mit seinem Team das DFB-Pokalfinale und sorgte auch in der Championsleague mit einem deutlichen Weiterkommen gegen Inter Mailand für Schlagzeilen. Nach einem ordentlichen, wenn auch nicht überragenden, Saisonstart in die neue Saison legt Rangnick sein Traineramt jedoch zwangsweise nieder. Ersten Berichten zufolge leidet der Trainer, der für seine akribische Taktik bekannt ist, unter einem Erschöpfungssyndrom, welches ihm eine Weiterführung der Tätigkeit im Moment unmöglich macht. Ob es die ständigen Unruhen im Verein waren, die schließlich zum Ausbruch der Krankheit geführt haben, kann bislang nur gemutmaßt werden.

Der Medienfokus aufgrund der faninternen Anfeindungen gegenüber dem Ex-Torhüter Manuel Neuer und die hohe Erwartungshaltung in Gelsenkirchen können aber wohlmöglich zum Verlauf der Krankheit beigetragen haben. Positiv ist es allemal, dass sich der Trainer der Diagnose stellt und notwendige Schritte zur Genesung einleitet. Dass dieses bei psychischen Erkrankungen nicht selbstverständlich ist, wurde im Anschluss an die Tragödie um Robert Enke ausreichend diskutiert. Auch wenn das Schicksal Rangnicks nicht annähernd mit dem des Torhüters verglichen werden darf, so zeigt es auf, dass psychische Erkrankungen in der Bundesliga kein Tabuthema mehr sind.

Die sektory-crew wünscht gute Besserung!

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